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Author: Subject: Thelema
tommyknocker
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Mood: Lie upon lie, Mankind shall die

[*] posted on 28-6-2009 at 13:09
Thelema


Ich bin letztens auf eine wie ich finde sehr interessante Theorie gestoßen. Und zwar (wie der Threadtitel bereits sagt) die Philosophie der sogenannten "Thelema", zurückzuführen auf den britischen Poeten und Okkultisten Aleister Crowley.
Das ist in sofern interessant, da man ja von Crowley gern behauptet, dass er dezent verrückt war (sozusagen der Abdul Alhazred der Realität), seine Philosophie meiner Meinung nach aber erstaunlich schlüssig und logisch finde und was noch viel wichtiger ist - sie entspricht sogar meiner eigenen Lebenseinstellung.

Im Groben zusammengefasst beinhaltet das Prinzip der Thelema (thelema = griech. für Wille, Gebot, Verlangen,...), dass der Mensch seinen eigenen Willen finden soll und nach diesem alleinig leben soll, d.h. sich nicht von Normen, Regeln oder Ähnlichem prädestinieren lassen soll. Daraus wurde auch der sogenannte "satanische Grundsatz" (de facto hatte Crowley nie etwas mit Satanismus zu tun, was viele Leute allerdings nicht wissen) "Do what thou wilt" (= tu was du willst) formuliert. Nachlesen kann man das ganze nochmal etwas detailreicher hier.

Nunja, wie gesagt, ich habe gemerkt, dass ich mich tatsächlich mit diesem Prinzip (zumindest teilweise) anfreunden kann.
Einer der Grundsätze meiner Lebenseinstellung ist nunmal der Wille, und zwar mein Wille. Diesen kann man, meiner Meinung nach tatsächlich zum Gesetz erheben, ABER (und da weißt das thelematische Prinzip Lücken auf) es darf tatsächlich nur das eigenen Gesetz sein. Ich darf dabei nicht meinen Willen auf andere übertragen. Außerdem ist, finde ich, der "Grundsatz" "Do what thou wilt" relativ ungenau formuliert, weil dies auch einschließen kann, den Respekt vor den Mitmenschen oder der Natur zu verlieren, was ich natürlich nicht beabsichtige.

Nun, was haltet ihr von dieser Philosophie? Könnt ihr euch damit identifizieren oder steht ihr dem ganzen eher kritisch oder sogar ablehnend gegenüber?





Great architect - charlatan ov fairy tales
Thou hast failed since the hour bastard spawn
Who was vomited forth from the gasping wound ov a whore
Father, forgive me not, for I have sinned
Now tremble and fear and mercy have not upon me
Begotten son I am not, adversary ov thy love
The outcast ov thy paradise...
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Nyarlathotep
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[*] posted on 10-7-2010 at 15:54


In der Tat eine interessante Frage. Was ist die ernsthafte Philosophie des Black Metal und des „modernen Satanismus”?

Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen dem Pfad der linken Hand und dem Pfad der rechten Hand.


In Kürze die wichtigsten Gegensätze:

• Individualismus <-> Individualismus als Wurzel allen Leids (Sündenfall), daher Sehnsucht nach Wiederverschmelzung
• Existentialistisches Verantwortungsbewusstsein <-> Wunsch nach Erlösung von außen
• Stolz, Freiheit, Zweifel <-> Schuldgefühl und Gefühl der Unvollkommenheit, Abhängigkeit, Glaube
• Das Leben ist absurd <-> Alles ergibt Sinn (und alles wird gut)
• Die Wahrheit ist Autorität genug <-> Bedürfnis nach viel (personaler) Autorität
• Moral beruht auf Vernunft und Empathie <-> Moral beruht auf Geboten
• Akzeptanz von Körperlichkeit <-> Verachtung von Körperlichkeit

Ich tendiere zum Pfad der linken Hand, bezeichne mich aber nicht als Satanisten. Zum einen weil es missverständlich ist: Ich bete keinen Anti-Gott an, sondern bin Atheist. Zweitens: Was ist mit „moderner Satanismus” gemeint? Maximaler Individualismus? Das würde bedeuten, sich durch die Bedürfnisse und die Würde anderer Menschen nicht einschränken zu lassen. Sobald man aber doch Rücksicht nimmt, entwickeln sich sinnvolle Normen. Dieses Problem hast Du anscheinend ebenfalls bemerkt.

Ist man also bereits „Satanist”, wenn man kein Christ ist und überdurchschnittlich individualistisch ist?
Wenn man so starke Worte für so schwache Bedeutungen verwendet, dann kann ich mich auch „oberster Held der Menschheit” nennen, wenn ich mal einer Oma über die Straße geholfen habe.
Für mich ist „Satanist” ein künstliches Extrem, das ich fast nur in Filmen als Klischee-Bösewicht realisiert finde. Und dann kann es durchaus Unterhaltungs- oder manchmal sogar Kunstwert haben, aber realistisch ist es selten.


Aus Spaß seien mal die „Gebete” der Jedi und der Sith gegenübergestellt:

The Sith Code:
Peace is a lie; there is only passion.
Through passion, I gain strength.
Through strength, I gain power.
Through power, I gain victory.
Through victory, my chains are broken.
The Force shall free me.
(Wer es pathetischer mag, bitteschön: http://www.youtube.com/watch?v=ryHd6Dy91Gs&fmt=18 )

The Jedi Prayer:
http://www.youtube.com/watch?v=1ApT0S2-22E&fmt=18
(Ich frage mich, ob der das ernst meint. Man glaubt nicht, was es alles gibt.)




"Wenn man mir sagt, es gebe Dinge, die über unsere Vernunft hinausgehen, so kann mich das nicht veranlassen, Unsinn zu glauben. Zweifellos gibt es Dinge, die über unsere Vernunft gehen; aber ich verwerfe kühn alles, was ihr widerstreitet, und alles, was gegen sie verstößt." (Denis Diderot)
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tommyknocker
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[*] posted on 11-7-2010 at 11:57


Naja, wenn man wirklich aus Überzeugung Individualist ist, sollte sich eigentlich eine Kategorie bzw. Schublade wie "Satanist" erübrigen, weil sie sowieso nur limitiert.
Den Grundsätzen der linken Hand stimme ich, zumindest deiner Darstellung zufolge, zu, so in etwa setzt sich mein Weltbild zusammen. Der Pfad der rechten Hand, das sind halt die christlichen Grundsätze, die finde ich halt einfach irrsinnig.
Was rechtfertigt denn bitte die Behauptung, alles ergebe einen Sinn? Wenn zum Beispiel Hitler einen großen Sinn in Gottes genialem Plan hatte, dann ist Gott ein abgefuckter Sadist.
Die Verachtung der Körperlichkeit wäre demzufolge auch die Verachtung der Natur per se. Christliche Normen sind, banal ausgedrückt Scheiß-Normen, weil sie limtieren ohne Ende, weil sie Menschen zu geistlosen Zombies reduzieren, deren einziger Lebenssinn "Fressen, Arbeiten, Beten" ist.

Um aber zum Punkt zu kommen. An sich wollte ich zunächst nur mein Interesse gegenüber Crowley und den thelemitischen Philosophien ausdrücken. Satanismus ist ein vieldeutiger Begriff,d er elicht misinterpretiert werden kann. Wenn man vom Wort "shaitan" (also Ankläger oder Verneiner) ausgeht, kann ich mich in Teilen damit identifizieren; geht man von einem transzendentem Wesen mit Hörnern und einem Pferdefuß aus, dann bitte nicht, weil das genauso eine Märchengestalt ist, wie der Himmels-Diktator der Christen und letztlich nur als machtpolitisches Instrument der klerikalen Obrigkeiten dient.






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Nyarlathotep
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[*] posted on 12-7-2010 at 09:27


Was mich primär am Christentum „stört”, ist, dass es einfach unwahr ist: Die Idee eines personalen Gottes ist abwegig,
und die Story vom auferstandenen Gottessohn stimmt vorne und hinten nicht.
Dass christliche Moralvorstellungen teilweise seltsam sind, kommt hinzu.

Am Begriff des „Satanismus” missfällt mir, dass der falsche Gegensatz betont wird: Der passende Gegenpol zu „religiös” ist nicht „böse”, sondern „nach der Wahrheit suchend, egal wie unangenehm sie ist”. Eventuell deutet die „Ankläger”-Bedeutung von „Shaitan” dies an.
Wie auch immer, mir gefällt die Ästhetik des Dunklen, wie man sie z.B. im Metal findet. Also aus künstlerischer Sicht ist daran nichts auszusetzen.




"Wenn man mir sagt, es gebe Dinge, die über unsere Vernunft hinausgehen, so kann mich das nicht veranlassen, Unsinn zu glauben. Zweifellos gibt es Dinge, die über unsere Vernunft gehen; aber ich verwerfe kühn alles, was ihr widerstreitet, und alles, was gegen sie verstößt." (Denis Diderot)
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